Der demografische Wandel als zunehmende Herausforderung für die Versorgungssicherheit mit Blutprodukten
Zusammenfassung
Dieser Artikel beschreibt die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Blutversorgung anhand zweier Modellregionen in Deutschland. In einer prospektiven Longitudinalstudie werden in Mecklenburg-Vorpommern (MV) seit 2005 und im Saarland seit 2017 Daten zu allen Vollblutspendern und Empfängern von Erythrozytenkonzentraten (EK) ausgewertet und zu Bevölkerungsveränderungen in Beziehung gesetzt. Im Jahr 2015 deckten in MV die Vollblutspenden nur noch knapp den Bedarf an Erythrozytenkonzentraten (+0,96 %), im Saarland bereits 2017 nicht mehr (-9,8 %). Bluteinsparungen durch Patient Blood Management sind weitestgehend ausgeschöpft. Die Blutspendezahlen werden weiter sinken, gleichzeitig steigt der Transfusionsbedarf, wenn die Baby-Boom-Generation die Altersgruppen > 65 Jahre erreicht.
This article describes the effects of the demographic change on blood supply and transfusion demand using two model regions in Germany. In a prospective longitudinal study, data on all whole blood donors and recipients of red blood cell concentrates (RBCs) in Mecklenburg-Western Pomerania (MV) since 2005 and in the Saarland since 2017 were assessed and the changes correlated with changes of the demographic data in the respective populations. In 2015, whole blood donations in MV barely covered the demand for RBCs (+0.96 %). In the Saarland in 2017 already whole blood donations did not cover the transfusion demand (-9.8 %). We also provide preliminary evidence that patient blood management measures will likely not result in additional reductions in demand. The number of blood donations will further decrease, while the need for transfusions will increase when the baby-boomgeneration reaches the age groups > 65 years.
Erfahrungen nach der Einführung der Hepatitis-E-Testung für Blutspenden am Beispiel des DRK-Blutspendedienstes West
Zusammenfassung
Zum 01.01.2020 wurde die HEV-NAT-Testung für Blutspenden in den PEIStufenplan aufgenommen. Seitdem stellt die Blutspende keinen relevanten Übertragungsweg für HEV dar. Rückverfolgungsverfahren sind aufgrund der hohen Virusprävalenz jedoch besonders zahlreich. Die Anpassung der Routineprozesse erstreckte sich über das Zentrallabor, die Zentrale Herstellung Präparation, die Logistik und die Information der Blutspender. Aufgrund des damit verbundenen hohen Aufwandes und der Auswirkungen auf die Freigabe der Blutprodukte könnte eine gezielte Testung für Risikopatienten als eigentliche Zielgruppe erwogen werden. Dadurch könnte eine Risikominimierung aufgrund der möglichen Reduktion der Poolgröße und Steigerung der Testsensitivität erreicht werden. Eine Verzögerung in der Versorgung der Kliniken mit EK- und Pool-TK konnte nicht vermieden werden.
On January 1st, 2020, HEV-NAT testing for blood donations was added to the graduated plan of the Paul-Ehrlich Institute, the highest German government authority for hemovigilance. Since then, blood donation has not been a relevant path of transmission for HEV-infection. However, due to the high prevalence of the virus, tracking procedures are particularly numerous. The adjustment of routine processes extended to the central laboratory, the central manufacturing and preparation unit, the logistics department, and the information responsibilities towards the blood donors. Due to high workload and effects to those associated with these efforts on the release of the blood products, targeted testing of the supply for risk patients as the actual target group should be considered. This would minimize the risk due to a possible reduction in pool size and increase in test sensitivity. Due to these measures a delay in supplying the clinics with packed red cells and pooled platelet concentrates is unavoidable.
Extrazelluläre Vesikel – Zelltherapie der nächsten Generation
Zusammenfassung
Neben Partikeln und löslichen Faktoren werden extrazelluläre Vesikel (EVs) von vielen Zellarten im menschlichen Organismus sezerniert. EVs vermitteln komplexe und zielgerichtete interzelluläre Kommunikationsprozesse und kontrollieren physiologische und pathophysiologische Prozesse. EVs von geeigneten Zellen können pathophysiologischen Prozessen entgegenwirken und als neue Wirkstoffklasse in verschiedenen Anwendungsgebieten dienen: optimierte Wirkstoffverabreichung, Impfungen, anti-infektiöse, Anti-Tumor-, immunomodulatorische oder regenerative Therapien. Die Translation EVbasierter Therapeutika in die Klinik erfordert den Fokus auf Wirksamkeit, Sicherheit und die Kontrolle von Herstellungsprozessen durch Qualitätssicherungsmaßnahmen. In diesem Artikel werden bisherige Erkenntnisse und zukünftige Strategien für die klinische Testung von EV-Therapeutika aufgezeigt. Wir werden darstellen, warum die Entwicklung neuartiger EV-Therapeutika fachlich perfekt mit der Expertise von Teams in transfusionsmedizinischen Einrichtungen umzusetzen ist.
Among particles and soluble factors, extracellular vesicles (EVs) are secreted by virtually all human cells. EVs mediate complex and targeted intercellular communication and essentially participate in physiological and pathophysiological processes. EVs of various cells may counteract pathogenic processes and thus serve as a novel class of therapeutic agents in different approaches, including drug-delivery, pathogen-vaccination, anti-infectious, anti-tumour, immune-modulatory or regenerative therapies. Translating EV-based therapeutics into clinical evaluation requires the focus on efficacy, safety and a tight control of manufacturing and quality assurance. Here, we highlight scientific achievements and strategies for the clinical investigation of EV-based therapeutics. We will illustrate how EVs as novel therapeutic entity perfectly fit into the aegis of Transfusion Medicine experts.
Blutspende unter Corona-Herausforderungen
#missingtype – Eine Aktion der DRK-Blutspendedienste
Leserfrage zur Rücknahme und Neuausgabe von Blutkomponenten
Editorial
Kapitel 2: Thrombozytenkonzentrate
Zusammenfassung
Bei der Anwendung von Thrombozytenkonzentraten wurden grundsätzliche Aspekte zur Transfusion und zur Bewertung der Empfehlungen ergänzt. Hier wurden insbesondere für Thrombozytenfunktionsstörungen verschiedene Ursachen ausgeführt und auf blutungsminimierende Maßnahmen hingewiesen. Sowohl bei der akuten Bildungsstörung, als auch bei periinterventionellen, operativen Eingriffen und Prozeduren wurde auf die Beeinflussung der Thrombozytenfunktion durch Medikamente detailliert hingewiesen. Insbesondere bei der Auswahl von Thrombozytenpräparaten ist anzumerken, dass bei Rhesusinkompatibilität ein Präparat, welches mit einer geringen Verunreinigung von Erythrozyten hergestellt wurde, jetzt ohne Rhesus-Prophylaxe verabreicht werden kann. Ein eigenes Kapitel zu Besonderheiten der Transfusion von Thrombozytenkonzentraten im Kindesalter wurde ergänzt.
In the version of the guidelines an update on the clinical use of platelet concentrates is given. In particular, various causes for alterations in platelet function were stated and measures to minimize bleeding are pointed out, with a special focus on the influence of drugs on platelet function. Recommendations are presented regarding periinterventional management of patients with reduced thrombopoiesis and patients with thrombocytopenia specially in the context of surgical interventions and procedures. A separate chapter on the peculiarities of the transfusion of platelet concentrates in childhood has been added.
Kapitel 1: Erythrozytenkonzentrate
Zusammenfassung
Nach nunmehr zwölf Jahren seit der letzten Gesamtnovelle der QuerschnittsLeitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten (QLL) liegt seit dem 21.8.2020 eine aktuelle Gesamtnovelle der QLL vor. Während die Datenlage aus großen, randomisierten und prospektiven Studien im Jahr 2008 noch sehr dünn war, hat sich hier in der letzten Dekade vor dem Hintergrund des Patient Blood Managements (PBM) eine Vielzahl von Studien angesammelt, die nun für eine Reihe von Indikationsstellungen belastbare Daten liefern. Dabei wurden die restriktiven Hämoglobin(Hb)-Transfusionstrigger interessanterweise nicht weiter abgesenkt, sondern liegen nun im Schnitt etwa 1 g/dl höher, zumeist bei 7 g/dl.
After 12 years since the last overall amendment of the cross-sectional guidelines for the therapy with blood components and plasma derivatives (CSG), a current overall innovation of the CSG is available since 21.8.2020. While data from large, randomized and prospective studies was scant in 2008, a large number of studies has accumulated in the last decade against the background of Patient Blood Management (PBM), which now provide reliable data for a number of indications. Interestingly, the restrictive hemoglobin (Hb) transfusion triggers were not lowered further, but are now on average about 1 g/dl higher, mostly at 7 g/dl.
Kapitel 3: Granulozytenkonzentrate
Zusammenfassung
Die Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten wurden in einer Gesamtnovelle 2020 überarbeitet und aktualisiert. Dabei erfuhr auch das Kapitel „Granulozytenkonzentrate“ (GK) neben fast wortwörtlich unveränderten Abschnitten einige Anpassungen. Diese Anpassungen beziehen sich im Wesentlichen auf die Punkte „Herstellung“, „Indikation“, „Dosierung“ und „Art der Anwendung“. Hochmolekulare Hydroxyethylstärke (HES) war auch für die Herstellung von GK in Europa nicht mehr als verkehrsfähiges Arzneimittel erhältlich, nachdem Kontraindikationen wie z. B. schwerwiegende Nierenerkrankungen Zweifel an der Sicherheit des Präparates hatten aufkommen lassen. Diese Sicherheitsaspekte sind bei der Herstellung von GK für den Spender unwesentlich, bei Empfängern spielen sie höchstens in Ausnahmefällen eine Rolle. Die Verwendung von HES bei der Herstellung von GK ist entsprechend der Leitlinie nun wieder ausdrücklich erlaubt. Die Indikation zur Gabe von GK bei schwerwiegenden Infektionen immunsupprimierter Patienten wird anhand der aktuellen Studienlage kritisch diskutiert und liegt letztlich im ärztlichen Ermessen. Dabei wird von höheren Dosierungen ausgegangen, als dies bisher empfohlen war. Eine leukozytäre Verträglichkeitsprobe wird im Unterschied zu der bisherigen Version der Leitlinien nicht mehr als generell erforderlich angesehen.
The guidelines for therapy with blood components and plasma derivatives were revised and updated in an overall amendment 2020. Thereby, the chapter "Granulocyte concentrates" (GK) also underwent some adaptations besides almost word-for-word unchanged sections. These adjustments mainly relate to the points "Preparation", "Indication", "Dosage" and "Mode of use". High-molecular-weight hydroxyethyl starch (HES) was no longer available as a marketable drug in Europe also for the manufacture of GK after contraindications in patients such as serious kidney disease raised doubts about the safety of the preparation. These safety aspects are immaterial in the manufacture of GK for the donors. For recipients they play a role at most in exceptional cases only. The use of HES in the preparation of GK is now explicitly permitted again in accordance with the guideline. The indication for the administration of GK in severe infections of immunosuppressed patients is critically discussed on the basis of the current study situation and is ultimately at the discretion of the physician. Higher doses than previously recommended are assumed. In contrast to the previous version of the guidelines, a leukocytic tolerance test is no longer considered generally necessary.
Kapitel 4: Therapeutisches Plasma
Zusammenfassung
Das Kapitel 4 der Gesamtnovelle der Querschnitts-Leitlinien zur Therapie mit Blutkomponenten und Plasmaderivaten entspricht inhaltlich im Wesentlichen dem Kapitel der Vorversion. Augenfällig ist, dass das Literaturverzeichnis bei einer moderaten Zunahme des Umfangs von ca. 20 % jedoch etwa hälftig durch neuere Literatur ersetzt worden ist. Insbesondere der Abschnitt zur DIC konnte durch die neue Studienlage neu geschrieben werden. Die Empfehlungen zeichnen sich durch eine prägnantere Formulierung aus. Besonders hervorzuheben ist, dass der Anwendungsbereich von Therapeutischem Plasma ausgedehnt werden konnte. Mit Spannung kann die flächendeckende Einführung und dann auch die Anwendung von PR-Plasma und die damit voraussichtlich einhergehende Verschiebung des Einsatzes der verschiedenen Plasmadarreichungsformen erwartet werden.
Chapter 4 of the overall rewritten amendment of the cross-sectional guidelines for therapy with blood components and plasma derivatives essentially corresponds to the same chapter of the previous version. Noticeably more than half of the bibliography was replaced with a moderate increase of the literature by about 20 %. Particularly the section on DIC was rewritten due to the presenting new study situation. The recommendations are characterized by a more concise wording. It is especially noteworthy that the scope of therapeutic plasma usage was expanded. The widespread introduction and application of PR plasma and the associated postponement of the use of various forms of plasma administration is anticipated with excitement.
Kapitel 6 & 7: Arzneimittel zur Therapie der angeborenen und der erworbenen Hämophilie und der von-Willebrand-Erkrankung / Prokoagulatorische und inhibitorische Faktorenkonzentrate
Zusammenfassung
Durch die Überarbeitung der Querschnitts-Leitlinien liegt jetzt mit den Kapiteln 6 und 7 wieder ein gut nutzbares, deutschsprachiges Kompendium zur Therapie mit Faktorenkonzentraten vor. Die neuen therapeutischen Möglichkeiten bei Patienten mit Hämophilie A und von-Willebrand-Syndrom sind genauso berücksichtigt wie der veränderte gerinnungsmedizinische Blick auf Patienten mit Lebersynthesestörungen. Begrüßenswert sind auch die zurückhaltenden Empfehlungen zur Gabe von Fibrinogen und Antithrombin auf der Basis einer schwachen Studienlage. Insgesamt liegt eine ausgewogene und lesenswerte Handlungsempfehlung vor.
With the 2020 revision of the cross-sectional guidelines, the new chapters 6 and 7 are now providing a valuable compendium for the use of factor concentrates in German language. New therapeutic options for patients with haemophilia A or and von-Willebrand syndrome were included, as was the current understanding of the haemostatic system in patients with an insufficient liver function. The authors are also consequential in giving rather weak recommendations on the use of fibrinogen or antithrombin because of the lack of clinical studies. Overall, they provide well-balanced guidance, which is worth reading.
Kapitel 10: Unerwünschte Wirkungen
Zusammenfassung
Im Kapitel „Unerwünschte Wirkungen“ wurde die Einzeldarstellung der unerwünschten Wirkungen neu strukturiert und stark erweitert. Definitionen der unerwünschten Wirkungen und evidenzbasierte Empfehlungen sind nun viel klarer herausgestellt. Die Gesamtzahl der Empfehlungen wurde mehr als verdreifacht. In dem Unterabschnitt zur Bestrahlung wurde die generelle Bestrahlungsindikation bei Non-Hodgkin-Lymphomen etwas eingeschränkt, dafür Therapie mit Antithymozytenglobulin oder Alentuzumab als neue Indikationen aufgenommen. Nach wie vor wird (abgesehen von Granulozytenpräparaten) keine Indikation für die Gabe CMV-getesteter Präparate gesehen, weder serologisch noch mittels PCR. Es wird davon ausgegangen, dass dies bei der heute obligatorischen Leukozytendepletion keinen zusätzlichen Vorteil bietet.
In chapter „adverse reactions“ the detailed description of the different adverse reactions was restructured and extended. The definitions and the evidence-based recommendations are pointed out much more clearly than before. The total number of recommendations was more than triplicated. In the subchapter on irradiation, the general indication for non-hodgkin-lymphomas was limited to specific situations, and therapy with antithymocyte globulin or altentuzumab was included as new indication. Besides granulocyte transfusion, no indication for the transfusion of CMV-tested units was seen (neither seronegative nor PCR-tested). It was assumed that considering the universal leukodepletion such units do not pose an additional advantage.
Feto-maternale Inkompatibilität: Bestimmung des fetalen RHD aus mütterlichem Plasma
Zusammenfassung
Die Bestimmung des fetalen RhD-Merkmals ermöglicht das frühzeitige Erkennen einer möglichen Inkompatibilität zwischen einer Schwangeren und dem ungeborenen Kind. Wurde in den letzten 30 Jahren allen RhD-negativen Frauen, unabhängig vom RhD-Merkmal des Kindes, eine Anti-D-Prophylaxe verabreicht, so bietet sich nun mit der Methode einer nicht-invasiven RhDBestimmung aus dem mütterlichen Plasma die Möglichkeit einer gezielten Anti-D-Prophylaxe. Basierend auf einer hohen Spezifität und Sensitivität (> 99 %) der nicht-invasiven RhD-Bestimmung wurde eine Empfehlung für diese Untersuchung in die aktuellen Mutterschaftsrichtlinien aufgenommen. Voraussetzung für den Einsatz in der Laborroutine ist eine ausreichende Validierung der gewählten Methode.
Determination of the fetal RHD genotype offers the opportunity to identify pregnancies at risk for the development of haemolytic disease of the newborn. In the last three decades all RhD-negative women in Germany were treated with anti-D-prophylaxis, independent whether the unborn child was RhD-positive or -negative. The non-invasive fetal RHD-genotyping offers the opportunity to treat only women with anti-D-prophylaxis when the fetus was typed as RhD-positive. Based on the high specificity and sensitivity (> 99 %) of non-invasive prenatal genotyping, the method is recommended to gynecologists as tool for the decision of anti-D-treatment.
Editorial
Gerinnungsstörung bei COVID-19
Zusammenfassung
Neue Informationen über die Koagulopathie bei COVID-19 sind immer noch in Fluss, es gibt jedoch Hinweise darauf, dass thrombotische Gerinnungsstörungen in schweren Fällen recht häufig sind. Im Verglich zur konventionellen Sepsis-assoziierten DIC ist die Inzidenz der Thrombozytopenie bei COVID-19 relativ gering, während das D-Dimer deutlich höher ist. Im Vergleich zur hohen Inzidenz von thrombotischen Ereignissen sind Blutungskomplikationen bei COVID-19 sehr selten. Daher wird eine Standard-Antikoagulationstherapie dringend empfohlen werden.
New information about coagulopathy in COVID-19 is still in flow, but there is evidence that thrombotic coagulation disorders are quite common in severe cases. Compared to the conventional Sepsis-associated DIC is the incidence of thrombocytopenia in COVID-19 relatively low, while the D-dimer is significantly higher. Compared to the high incidence of thrombotic events, bleeding complications in COVID-19 is very rare. Therefore a standard anticoagulation therapy is strongly recommended.
Klinische Einsatzmöglichkeiten von Mesenchymalen Stromazellen
Zusammenfassung
Das therapeutische Potenzial von Mesenchymalen Stromazellen (MSC) wird in zahlreichen klinischen Studien geprüft. Die klinischen Einsatzmöglichkeiten für MSC sind breitgefächert und reichen vom Einsatz bei der Transplantatgegen-Empfänger Reaktion nach allogener Stammzelltransplantation bis zur Behandlung von chronischen Rückenschmerzen aufgrund von Bandscheibendegeneration. Im Jahr 2018 wurde die erste Genehmigung für das Inverkehrbringen eines MSC-basierten Produktes zur Behandlung komplexer Fisteln bei Patienten mit Morbus Crohn durch die Europäische Arzneimittelbehörde erteilt. Diese Indikationen bei Erkrankungen mit sehr unterschiedlicher Pathophysiologie basieren auf den postulierten vielfältigen Wirkmechanismen der MSC, vor allem ihren parakrinen und durch Zell-Zell-Kontakt vermittelten Effekten, welche immunmodulatorisch und regenerationsfördernd wirken. Dieser Artikel stellt eine Übersicht zum therapeutischen Einsatz von MSC dar und nimmt darüber hinaus Bezug auf die Good Manufacturing Practice-konforme Herstellung von MSC. Aus aktuellem Anlass gehen wir auch auf Studien zu MSC bei COVID-19-Patienten ein.
The therapeutic potential of Mesenchymal Stromal Cells (MSC) is currently investigated in numerous clinical trials. MSC have a broad range of clinical applications, from therapeutic use in graft-versus-host disease after allogeneic hematopoietic stem cell transplantation to the healing of chronic low back pain due to disc degeneration. In 2018, the first marketing authorisation for an MSC-based product, indicated for treatment of complex fistulas in patients with Crohn's disease, was granted by the European Medicines Agency. These indications for MSC with different pathophysiology are based on the postulated multiple mechanisms of action of MSC, especially on their paracrine and cell-cell-contact effects which lead to immunomodulation and support regeneration. Here we review the therapeutic use of MSC and also touch on Good Manufacturing Practice conforming production of MSC. In the light of current events we also refer to studies of MSC for treatment of COVID-19.
Rekonvaleszentenplasma bei viralen Erkrankungen – eine Zwischenbilanz
Zusammenfassung
Für COVID-19 gibt es bisher keine zielgerichtete Therapie mit eindeutig belegter Wirksamkeit und wesentlicher, nachhaltiger Verbesserung des Verlaufs. Zugelassene Impfstoffe sind noch nicht verfügbar. Die passive Immunisierung durch Plasma von genesenen Patienten mit anti-SARS-CoV-2 Antikörpern im Plasma (Rekonvaleszentenplasma) ist eine der Therapieoptionen. Wir fassen den Wissensstand zu Rekonvaleszentenplasma bei anderen viralen Erkrankungen zusammen und ziehen eine Zwischenbilanz aus den bisherigen Studien bei COVID-19*: Plasma scheint auch in dieser Indikation sicher. Bisher gibt es vielversprechende Hinweise, jedoch keinen Nachweis einer Wirksamkeit von Rekonvaleszentenplasma. Dies ist im Wesentlichen durch das Fehlen von genügend Daten aus randomisierten kontrollierten Studien bedingt. Viele Fragen zu optimalen Spendermerkmalen, Dosierung und Zeitpunkt der Plasmagabe und den für diese Therapie geeigneten Patientengruppen sind offen. Wir fassen in diesem Beitrag die aktuelle Datenlage zusammen.*
So far no targeted therapy is available for treatment of COVID-19 which is proven to reduce complications and mortality. Vaccines are not approved yet. One treatment option for COVID-19 is passive immunization by administration of plamas from convalescent donors with anti-SARS-CoV-2 antibodies. We summarize the studies of convalescent plasma treatment for other acute viral infections and present an assessment of the available data on convalescent plasma for COVID-19: convalescent plasma appears to be safe. Data on efficacy are encouraging. However, the effect of convalescent plasma on mortality, time to improvement and safety is still very uncertain – mainly due to the lack of randomized controlled clinical trials. Many questions remain open, such as optimal donor characteristics, dose and time of convalescent plasma treatment and optimal selection of patients who might benefit from passive immunization. We will review currently available evidence.*
Ruhig Blut? Blutspenden in Zeiten von SARS-CoV-2
Leserfrage
Editorial
Transfusionsmedizin in den deutschen Feldlazaretten
Zusammenfassung
Die Blutung ist die häufigste Todesursache auf dem Gefechtsfeld und in vielleicht 15 % Fällen lassen sich Todesfälle mit Berücksichtigung und Optimierung der Prinzipien der Damage Control Resuscition und Damage Control Surgery vermeiden. Die massive Transfusion von Blutprodukten ist ein ganz entscheidender Faktor im Rahmen der „Damage Control Resuscitation“ und bestimmt ganz entscheidend die Überlebensrate der Gefechtsfeldopfer. Trotzdem muss es dem Kliniker vor Ort überlassen bleiben, den richtigen Zeitpunkt für die Initiierung eines „Massive Transfusion Protocols“ zu bestimmen da es durchaus Situationen geben kann (z. B. permissive Hypotension) die ein Zuwarten gerechtfertigt erscheinen lässt.
Bleeding is the most common cause of death on the battlefield and in perhaps 15 % cases, fatalities can be reduced by taking into account and optimizing the principles of "damage control resuscitation" and "damage control surgery". The massive transfusion of blood products is a very decisive factor in the context of "Damage Control Resuscitation" and is critical to the survival rate of battlefield casualties. However, it must be left to the clinicians on site to determine the appropriate time for the initiation of a "Massive Transfusion Protocol" as there may well be situations (e. g. permissive hypotension) which can cause that waiting seems justified.
Neue Fortbildungsinhalte für die Fortbildung zur Qualifikation als Transfusionsverantwortlicher / Transfusionsbeauftragter / Leiter Blutdepot
Zusammenfassung
Einrichtungen der Krankenversorgung, die Blutprodukte anwenden, müssen nach § 15 des Transfusionsgesetzes die Funktion eines Transfusionsverantwortlichen (TV) und für jede Abteilung einen Transfusionsbeauftragten (TB) und falls ein Blutdepot vorhanden ist einen Leiter für das Blutdepots bestellen. Die entsprechende Qualifikation wird durch einen anerkannten 16 Stundenkurs erworben. Nach über 18 Jahren wurde das bisherige Curriculum überarbeitet und die Inhalte an die Gesamtnovelle 2017 der Richtlinie Hämotherapie angepasst. Das neue Mustercurriculum wurde am 18.1.2019 beschlossen und wird im Text vorgestellt. Nach Meinung der Autoren ist die Neuaufstellung der Themen gut gelungen und berücksichtigt mehr die praktischen Aspekte der Hämotherapie. Auch ist der Wegfall der Trennung in Teil A und B für eine flexiblere Kursgestaltung von Vorteil.
According to § 15 of the Transfusion Act, health care facilities that use blood products must appoint a person responsible for transfusions (TV) and a transfusion officer (TB) for each department and, if a blood depot is available, a head of the blood depot. The corresponding qualification is acquired through a recognised 16 hour course. After more than 18 years, the previous curriculum has been revised and the contents adapted to the 2017 amendment of the Hemotherapy Directive. The new sample curriculum was adopted on 18.01.2019 and is presented in the following text. In the opinion of the authors, the repositioning of the topics is well done and takes more account of the practical aspects of haemotherapy. Also the omission of the separation into part A and B is advantageous for a more flexible course design.