Blutspende als biologischer Stresstest: Was regelmäßiges Spenden mit hämatopoetischen Stammzellen macht
Zusammenfassung
Regelmäßiges Blutspenden stellt einen wiederkehrenden physiologischen Stress für das hämatopoetische System dar, der eine erhöhte, Erythropoietin (EPO) vermittelte Erythropoiese bewirkt. Im Gegensatz zu pathologischen Auslösern handelt es sich dabei um einen kontrollierbaren und gut quantifizierbaren Reiz. Ziel unserer Studie war es zu untersuchen, wie sich dieser Reiz auf die klonale Zusammensetzung des humanen hämatopoetischen Stammzellpools auswirkt, insbesondere auf Prävalenz und Art der klonalen Hämatopoiese (KH). In einer Kohorte von über 400 männlichen Spendern über 60 Jahren – darunter Vielspender mit mehr als 100 Spenden – zeigte sich keine erhöhte Gesamtprävalenz von KH. Allerdings fanden sich bei Vielspendern vermehrt spezifische DNMT3A-Varianten. Diese unterschieden sich funktionell von präleukämischen Mutationen und reagierten selektiv auf erythropoetische Stimuli, insbesondere Erythropoietin. Die Daten legen nahe, dass regelmäßiges, jahrzehntelanges Blutspenden keine generelle Zunahme klonaler Veränderungen bewirkt, sondern eine adaptive Selektion funktionell angepasster Stammzellklone fördern kann.
Regular blood donation represents a recurrent physiological stress to the hematopoietic system, leading to increased erythropoietin-driven erythropoiesis. In contrast to pathological triggers, this constitutes a controlled and well-quantifiable stimulus. The aim of our study was to investigate how this stimulus affects the clonal composition of the human hematopoietic stem cell pool, particularly with regard to the prevalence and characteristics of clonal hematopoiesis (CH). In a cohort of over 400 male donors above 60 years of age, including frequent donors with more than 100 lifetime donations, no increase in overall CH prevalence was observed. However, frequent donors showed an enrichment of specific DNMT3A variants. These differed functionally from preleukemic mutations and responded selectively to erythropoietic stimuli, particularly erythropoietin. These data suggest that long-term, regular blood donation does not lead to a general increase in clonal alterations but may promote adaptive selection of functionally distinct stem cell clones.
Die Auswirkung der neuen SoHO-Verordnung auf Frauenmilchbanken – Von der Regulierung zur Umsetzung im Versorgungsalltag
Zusammenfassung
Die EU SoHO-Verordnung 2024/1938 erfasst erstmals auch gespendete humane Milch und legt verbindliche Anforderungen an Qualität, Rückverfolgbarkeit und Meldesysteme fest. Für kleinere Frauenmilchbanken kann die Umsetzung organisatorisch und finanziell anspruchsvoll sein. Gleichzeitig eröffnet die Rollenlogik von SoHO-Einrichtung und SoHO Betriebsstätte kooperative Versorgungsmodelle. Am Beispiel der hessischen Frauenmilchbank im DRK-Blutspendedienst wird gezeigt, wie transfusionsmedizinische Prozesse wie Spenderinnenscreening, Quarantäne, Barcode gestützte Chargenführung und IT-basierte Dokumentation die Versorgung von Frühgeborenen im Alltag verlässlich absichern und bei Bedarf ausbauen können.
For the first time the EU SoHO-regulation 2024/1938 covers donor human milk and hence sets binding requirements for quality, traceability, and monitoring systems. For smaller human milk banks, implementation can be challenging from an organizational and finacial perspective. At the same time, the conceptual framework of SoHO-entities and SoHO-establishements enables cooperative care models. The Hessian human milk bank at the German Red Cross Blood Donation Service serves as an example of how transfusion medicine practices such as donor screening, quarantine storage, barcode-based batch management, and IT-based documentation can assure safe and adjustable neonatal supply.
Das Blutdepot
Zusammenfassung
Das Blutdepot ist eine spezialisierte Einheit eines Krankenhauses, die Blut- und Blutkomponenten bedarfsgerecht und qualitätsgesichert bereitstellt. Blutdepots fungieren als Schnittstelle zwischen transfusionsmedizinischer Diagnostik und klinischer Versorgung, ohne selbst Blutprodukte herzustellen. Zu den zentralen Aufgaben zählen Annahme und Ausgabe von Blutprodukten und qualitätsgesicherte Transport- und Lagerbedingungen nach gesetzlichen und hygienischen Vorgaben. In diesem Beitrag werden zentrale Arbeitsabläufe und Schulungsempfehlungen zusammengefasst und durch fachliche Kommentare der Autoren ergänzt.
The blood depot is a specialized unit within a hospital that provides blood and blood components in a needs-based and quality-assured manner. Blood depots serve as an interface between transfusion medicine diagnostics and clinical care, without producing blood products themselves. Key responsibilities include the receipt and distribution of blood products as well as ensuring quality-controlled transport and storage conditions in accordance with legal and hygienic requirements. This article summarizes central workflows and training recommendations, supplemented by professional commentary from the authors.
Demografie & Digitalisierung – Blutspendewerbung im Wandel Das Beispiel „Terminreservierungssystem“
Zusammenfassung
Um zukünftig den Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Population der Blutspendenden begegnen zu können, bedarf es u. a. eines hohen Maßes an Digitalisierung in den spenderbezogenen Prozessen. Neben digitalen Instrumenten wie der Blutspende-App oder dem digitalen Blutspendeausweis ist das Terminreservierungssystem der DRK-Blutspendedienste ein zentrales Element der „digital donor journey“. Aus der Perspektive der DRK-Blutspendedienste Baden-Württemberg – Hessen und Nord-Ost wird in diesem Beitrag skizziert, welche Vorteile sich durch dieses System für die spendewilligen Personen ergeben und stellt beispielhaft dar, welche Teilprozesse in der Planung und Ausgestaltung von mobilen Blutspendeaktionen mittels des Systems optimiert werden können.
In order to address the future impact of demographic change on the blood donor population, a high degree of digitization in donor-related processes is essential. In addition to digital tools such as the blood donation app and the digital donor card, the appointment scheduling system used by the GRC Blood Donation Services is a central component of the “digital donor journey.” From the perspective of the GRC Blood Donation Services Baden-Wuerttemberg - Hesse and North-East, this article outlines the benefits this system offers to potential donors and provides examples of how the system can be used to optimize specific processes involved in planning and organizing mobile blood drives.
Leserfrage
Editorial
Malaria-Antikörperscreening im Blutspendedienst – Ein neuer Ansatz zur Versorgung von Patienten mit seltenen Blutgruppen
Zusammenfassung
Seit September 2024 wird im DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen und im DRK-Blutspendedienst Nord-Ost neben anamnestischen Methoden auch ein Screening auf Malariaplasmodien-spezifische Antikörper durchgeführt. Das Verfahren steht in Übereinstimmung mit der aktuellen Hämotherapie-Richtlinie. Im ersten Jahr konnten insgesamt 13.200 Spender auf eine zurückliegende Malariainfektion untersucht werden. Die Positivrate (initial reaktive Proben) lag bei 1,62 % und hat dazu beigetragen, dass zum einen die Versorgung der Krankenhäuser mit Blutprodukten verbessert werden konnte, zum anderen auch Erythozytenkonzentrate mit seltenen Blutgruppenmerkmalen charakterisiert und bereitgestellt werden konnten. Damit sind der DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg – Hessen und der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost gut vorbereitet auf sich ändernde klinische Anforderungen, die durch nicht europäischstämmige Patienten bestehen. Die Sicherheit der Blutprodukte hat dabei weiterhin höchste Priorität.
Since September 2024, the German Red Cross Blood Donation Service in Baden-Württemberg and Hessen and the German Red Cross Blood Donation Service in North-East Germany have been Screening for malaria plasmodium-specific antibodies in addition to using anamnestic methods. The procedure complies with the current hemotherapy guidelines. In the first year, a total of 13,200 donors were tested for past malaria infection. The positive rate (initially reactive samples) was 1.62 %, which helped to improve the supply of blood products to hospitals and also enabled erythrocyte concentrates with rare blood group characteristics to be characterized and made available. This means that the German Red Cross Blood Donation Service Baden-Württemberg – Hessen and the German Red Cross Blood Donation Service North-East Germany are well prepared for changing clinical requirements arising from patients of non-European origin. The safety of blood products remains the top priority.
Immunthrombozytopenie (ITP) – Neue Therapieoptionen
Zusammenfassung
Die Immunthrombozytopenie (ITP) ist mit 2–4 Neuerkrankungen auf 100.000 Einwohner und Jahr eine seltene Erkrankung. Da es keinen ITP-beweisenden Labortest gibt, beruht die Diagnose der Erkrankung vornehmlich auf dem Ausschluss anderer Ursachen für die Thrombozytopenie. Die Entscheidung für eine Therapie sollte nicht allein auf der verminderten Thrombozytenzahl beruhen, sondern auch das individuelle Blutungsrisiko der Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Die Standard-Erstlinientherapie ist immer noch die Gabe von Kortikosteroiden. In diesem Beitrag behandeln wir die Pathophysiologie und Diagnose der ITP und geben Hinweise zur Behandlung der ITP, die sich an der aktuellen Onkopedia-Leitlinie orientieren.
Immune thrombocytopenia (ITP) is a rare disease with 2–4 new cases per 100,000 inhabitants per year. As there is no laboratory test to prove ITP, the diagnosis of the disease is primarily based on the exclusion of other causes of thrombocytopenia. The decision for treatment should not be based solely on the reduced platelet count, but should also take into account the patient's individual risk of bleeding. The standard first-line therapy is still the administration of corticosteroids. In this article, we discuss the pathophysiology and diagnosis of ITP and provide information on the treatment of ITP based on the current Onkopedia guideline.
Third-Generation-Sequencing: Chancen für die Transfusionsmedizin
Zusammenfassung
Third-Generation-Sequencing (TGS) eröffnet neue Perspektiven für die molekulargenetische Diagnostik in der Transfusionsmedizin. Im Vergleich zu klassischen serologischen und molekulargenetischen Technologien ermöglicht TGS eine genauere Blutgruppen- und HLA-Typisierung sowie die Identifizierung komplexer Haplotypen und struktureller Varianten. In der Pathogendetektion erlaubt TGS perspektivisch eine umfassende, weitgehend biasfreie Analyse mikrobieller Genome und die verbesserte Rückverfolgung transfusionsassoziierter Infektionen mit spannenden Anwendungsfällen im Bereich der Resilienz gegenüber Pandemien und Bioterrorismus. Dieser Beitrag skizziert TGS als zukunftsweisende Plattformtechnologie, erläutert Funktionsweise, Vorteile, Limitationen und zentrale Herausforderungen.
Third-generation-sequencing (TGS) opens new perspectives for molecular genetic diagnostics in transfusion medicine. Compared to classical serological and molecular genetic technologies, TGS enables more accurate blood group and HLA typing as well as the identification of complex haplotypes and structural variants. In pathogen detection, TGS offers the potential for comprehensive, mostly bias-free analysis of microbial genomes and improved tracing of transfusion-associated infections, with exciting applications in the context of resilience to pandemics and bioterrorism. This article outlines TGS as a forward-looking platform technology, highlighting its mechanisms, advantages, limitations, and key challenges.
Die Leukapherese als immunologisches Ausgangsprodukt der CAR-T-Zelltherapie im Kontext zunehmender Indikationen und steigender Nachfrage
Zusammenfassung
Die CAR-T-Zelltherapie wird zunehmend in unterschiedlichen Indikationsgebieten eingesetzt. Das Leukapheresematerial hat dabei nicht nur eine technische, sondern auch eine immunologische Relevanz für Wirksamkeit, Toxizität und Persistenz. Studien zeigen, dass Alter, Vortherapien und der Zeitpunkt der Zellgewinnung die Funktionalität der T-Zellen beeinflussen. Einzelzelltechnologien ermöglichen eine detaillierte Charakterisierung des Ausgangsmaterials. Klinisch etablierte Marker wie niedrige CD3+-Zellzahlen oder eine kürzliche Bendamustin-Exposition sind mit ungünstigeren Verläufen assoziiert. Die Apherese sollte daher auch unter diagnostischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Akademische Zentren mit eigener CAR-T-Herstellung können hierbei strukturierte Beiträge leisten.
CAR-T cell therapy is being applied across an increasing range of indications. Leukapheresis material is relevant not only technically but also immunologically, influencing efficacy, toxicity, and persistence. Studies indicate that patient age, prior treatments, and collection timing affect T-cell function. Single-cell technologies allow detailed characterization of the starting material. Established clinical markers, such as low CD3+ T-cell counts or recent bendamustine exposure, are associated with less favorable outcomes. Leukapheresis should therefore also be assessed diagnostically. Academic centers with in-house CAR-T manufacturing can contribute to structured implementation.
Quantifizierung von ATP in Erythrozytenkonzentraten
Zusammenfassung
Die Qualitätssicherung von Erythrozytenkonzentraten (EK) über ihre Haltbarkeit von bis zu 42 Tagen ist essenziell für die klinische Versorgung. Ein zentraler Funktionsparameter ist der intrazelluläre Adenosintriphosphat-(ATP)-Gehalt als Marker für metabolische Aktivität und strukturelle Integrität. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) fordert ATP als verpflichtenden Vitalitätsparameter bei Zulassungsuntersuchungen. Der Wegfall des etablierten ATP-Hexokinase-Kits von DiaSys erfordert einen geeigneten Ersatz – besonders im Hinblick auf DEHP-freie Beutelsysteme. In Kooperation mit Promega wurde ein luminometrischer ATP-Assay erfolgreich implementiert. Dieser Artikel beleuchtet die regulatorischen Anforderungen, die klinische Relevanz und praktische Aspekte bei der Einführung des neuen Verfahrens zur ATP-Bestimmung.
The quality assurance of erythrocyte concentrates (EC) over their shelf life of up to 42 days is essential for clinical care. A key functional parameter is the intracellular adenosine triphosphate (ATP) content as a marker for metabolic activity and structural integrity. The Paul Ehrlich Institute (PEI) requires ATP as a mandatory vitality parameter in approval tests. The discontinuation of the established ATP hexokinase kit from Diasys requires a suitable replacement – especially with regard to DEHP-free bag systems. In cooperation with Promega, a luminometric ATP assay was successfully validated and implemented. This article highlights the regulatory requirements, clinical relevance, and practical aspects of introducing the new ATP Determination method.
Gesucht: „Grüne“ Ideen Der Nachhaltigkeitswettbewerb beim DRK-Blutspendedienst
Leserfrage
Editorial
Die Umsetzung der EU-Verordnung 2024/1938 über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für zur Verwendung beim Menschen bestimmte Substanzen menschlichen Ursprungs
Zusammenfassung
Durch die EU-Verordnung 2024/1938 über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für zur Verwendung beim Menschen bestimmte Substanzen menschlichen Ursprungs soll der alte EU-Rechtsrahmen für Blut, Gewebe und Zellen abgelöst werden. Die neuen Regelungen entsprechen im Grundsatz dem deutschen Regelungssystem (Zulassung der Präparate, Erlaubniserteilung für bestimmte Tätigkeiten, behördliche Inspektionen). Dennoch sind auch Elemente vorgesehen, die in Deutschland neu implementiert werden müssen. Ziel im Rahmen des dreijährigen Umsetzungsprozesses wird es sein, die hohen Qualitäts- und Sicherheitsstandards in Deutschland zu erhalten, die Versorgungssicherheit weiter zu verbessern und die bürokratischen Belastungen möglichst gering zu halten.
The old EU legal framework for blood, tissue and cells is to be replaced by Regulation (EU) 2024/1938 on standards of quality and safety for substances of human origin intended for human application. The new provisions correspond in principle to the German regulatory system (authorisation of preparations, approval for certain activities, inspections). Nevertheless, it also includes new elements that need to be implemented in Germany. The aim of the three-year implementation process will be to maintain Germany’s high standards, to further improve the supply safety and to keep the bureaucratic burden as low as possible.
Die neue SoHO Verordnung – Was erwarten wir für das Blutspendewesen?
Zusammenfassung
Die 2023 verabschiedete Verordnung über Substances of Human Origin (SoHO) der Europäischen Union verfolgt das Ziel, einheitliche Standards für die Sicherheit, Qualität und Versorgung von SoHO zu etablieren. Durch die Verordnung sollen zukünftig innerhalb des EU Raums die Harmonisierung und der Austausch zwischen den Mitgliedsländern gefördert werden, Innovationen erleichtert werden, die Digitalisierung vorangetrieben werden sowie besser auf Krisen reagiert werden können. Obwohl die Verordnung daher wichtige Fortschritte bei der Rückverfolgbarkeit, dem Schutz von Spendern und der Minimierung von Gesundheitsrisiken erzielt, stößt sie auch auf Kritik. Das betrifft den erhöhten administrativen Aufwand, mögliche Parallelstrukturen zu bestehenden Systemen und strengere regulatorische Vorgaben.
The European Union's Regulation on Substances of Human Origin (SoHO), which will be adopted in 2023, aims to establish uniform standards for the safety, quality and supply of SoHO. The regulation is intended to promote harmonization and exchange between member states within the EU, facilitate innovation, promote digitalization and enable a better response to crises. Although the regulation therefore achieves important progress in terms of traceability, the protection of donors and the minimization of health risks, it has also been met with criticism. This concerns the increased administrative burden, possible parallel structures to existing systems and stricter regulatory requirements.
Evidenz-basierter Einsatz von Immunglobulinen
Zusammenfassung
Die Herstellung von Arzneimitteln wie intravenöse oder subkutane Immunglobuline (IVIg bzw. SCIg) aus gepooltem Humanplasma ist ein komplexer, streng regulierter Prozess, der neben Produktions- und Präparate-Qualität vor allem Sicherheit und Wirksamkeit garantieren muss. Eine stetig steigende Anzahl an gesicherten Indikationen für Substitutionstherapien primärer und sekundärer Antikörpermangel-Syndrome sowie immunmodulatorischen Indikationen bei diversen Autoimmunkrankheiten (z. B. ITP, CIDP, MG u. a.) haben den Bedarf an IVIg- und SCIg-Präparaten in den letzten 15 Jahren um ca. 8 % pro Jahr ansteigen lassen; auch für die nächsten Jahre ist kaum eine Nachfragesenkung zu erwarten. Um eine indikations- und zielgerechte Abgabe von IVIg und SCIg sicherzustellen, ist daher die Erstellung verbindlicher nationaler „Demand Management Pläne" (DMP) empfehlenswert.
The production of intravenous or subcutaneous immunoglobulins from pooled human plasma is a complex, strictly regulated process that must guarantee safety and efficacy in addition to the product quality. Increasing indications for immunoglobulin substitution therapies for primary and secondary antibody deficiency syndromes as well as immunomodulation for various autoimmune diseases (e. g. ITP, CIDP, MG, etc.) have led to a rising need for IVIg and SCIg preparations of around 8 % per year over the last 15 years. For the coming years, the demand for immunoglobulin products will continue to increase. To assure an indication justified use of IVIg and SCIg the implementation of national “Demand Management Plans” (DMP) is recommended.
Kälte(auto)antikörper – oder it’s cold inside
Zusammenfassung
Kälte(auto)antikörper sorgen selten für Begeisterungsstürme in der immunhämatologischen Diagnostik, da diese durch die Antikörper in unterschiedlichem Maße beeinflusst wird und teilweise auch so massiv gestört sein kann, dass die Bestimmung der Blutgruppen oder auch das Detektieren potenziell vorhandener Alloantikörper erschwert ist. Die dann erforderlichen Testansätze und die Ergebnisinterpretation sind meist herausfordernd. Dieser Artikel soll durch den Überblick über die verschiedenen Ausprägungen von Kälte(auto)antikörpern und das diagnostische Vorgehen im Labor im wahrsten Sinne ein bisschen Wärme in die immunhämatologische Diagnostik bringen.
Cold(auto)antibodies rarely cause storms of enthusiasm in immunohaematological diagnostics, as this is influenced to varying degrees and can sometimes be so massively disturbed that the determination of blood groups or the detection of potentially present alloantibodies is more difficult. The test approaches and the interpretation of results are usually challenging. This article is intended to bring a bit of warmth to immunohaematological diagnostics in the truest sense of the word by providing an overview of the different forms of cold(auto)antibodies and the diagnostic procedure in the laboratory.
Anti-G: eine diagnostische Herausforderung
Zusammenfassung
Das G-Antigen ist ein Teil des Rh-Systems, welches auf roten Blutkörperchen mit C- oder D-Antigenen exprimiert wird. Daher ist es entscheidend, es von Anti-D und Anti-C bei geburtshilflichen Patientinnen zu unterscheiden. Wir berichten über den Fall einer 36-jährigen Frau mit einem Anti-G-Alloantikörper, bei der das Vorhandensein von Anti-G und Anti-D mittels differenzieller Adsorptions- und Elutionstechniken bestätigt wurde. Die genaue Identifizierung dieser Antikörper ist entscheidend für die klinische Prognose und die Verabreichung der Rhesus-Prophylaxe, um eine hämolytische Krankheit des Fetus und Neugeborenen (HDFN) zu verhindern.
The G antigen is a member of the Rh-system expressed on red blood cells with C or D antigens, making it crucial to distinguish it from anti-D and anti-C in obstetric patients. We report a 36-year-old woman, in whom the presence of anti-G and anti-D was confirmed using differential adsorption and elution techniques. Accurate identification of these antibodies is vital for clinical prognosis and the administration of rhesus prophylaxis, thus preventing hemolytic disease of the fetus and newborn (HDFN).
Stärkung der Plasmasammlung in Europa: Das SUPPLY-Projekt
Zusammenfassung
Das SUPPLY-Projekt wurde zur Stärkung der Plasma-Spende in Europa ins Leben gerufen, um die Abhängigkeit von Nicht-EU-Importen zu reduzieren. Es wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen von EU4Health gefördert und lief von 2022 bis 2024. Ziele waren u. a. die Verbesserung der Spenderrekrutierung, die Optimierung von Qualitätsstandards und die Krisenresilienz der Plasmaversorgung. Wichtige Ergebnisse umfassten Anreizanalysen für Spenden, Strategien zur Krisenbewältigung und Qualitätsmanagementmaßnahmen. Das Projekt leistete einen wesentlichen Beitrag zur Sicherstellung der Plasma-Versorgung und zur strategischen Unabhängigkeit im Bereich plasmabasierter Arzneimittel in der EU.
The SUPPLY project aimed to strengthen plasma collection in Europe and reduce dependence on non-EU imports. Funded by the European Commission under EU4Health (2022–2024), it focused on improving donor recruitment, optimizing quality standards, and enhancing crisis resilience. Key outcomes included analyses of donation incentives, crisis response strategies, and quality management improvements. The project played a considerable role in securing Europe’s plasma supply and shaping future health regulations. By developing strategic recommendations and best practices, SUPPLY laid the foundation for a more sustainable and independent plasma collection system, ensuring better availability of plasma-derived medicines for patients in need.
Editorial
Versorgungsituation mit Blutkomponenten in Deutschland auf der Basis von Meldungen an das Paul-Ehrlich-Institut
Zusammenfassung
Um eine stabile Blutversorgung zu gewährleisten, ist eine einheitliche, bundesweite Dokumentation der Verfügbarkeit von Blutkomponenten erforderlich. Seit 2021 erfasst das Paul-Ehrlich-Institut zusammen mit kooperierenden Blutspendeeinrichtungen bundesweit die Versorgungslage mit Blutkomponenten und veröffentlicht diese wöchentlich auf seiner Internetseite als „Blutspende-Barometer“. Dadurch können drohende blutgruppenspezifische Unterversorgungen rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls korrektive Maßnahmen eingeleitet werden. Auf der Basis der vorliegenden Angaben werden jedoch spezifische Daten der Blutspender (Alter, Geschlecht, Blutgruppe) wie auch der Empfänger von Erythrozytenkonzentraten unzureichend erfasst. Ein erweitertes Monitoring in Verbindung mit einer nationalen Versorgungsstrategie sollte daher angestrebt werden.
Uniform, nationwide documentation of the availability of blood components is necessary to ensure a stable blood supply. Since 2021, the Paul-EhrlichInstitut, in cooperation with blood establishments, has documented the blood component supply nationwide and publishes it weekly on its website as a "blood donation barometer". This allows impending blood group-specific shortages to be identified and corrective measures to be initiated if necessary. However, on the basis of the information available, data specific to blood donors and recipients of red blood cell concentrates (age, gender, blood group) are inadequately recorded. Extended monitoring in conjunction with a national supply strategy should therefore be pursued.
Graft-versus-Host-Erkrankung nach allogener Blutstammzelltransplantation: Standardmanagement und neue zelluläre Therapien
Zusammenfassung
Die Graft-versus-Host-Erkrankung (GvHD) ist eine wesentliche Komplikation nach allogener hämatopoetischer Blutstammzelltransplantation. In den letzten Jahren kam es zur Zulassung von neuen Therapien, was sich in einer veränderten Behandlungslandschaft widerspiegelt. Aus transfusionsmedizinischer Sicht ist der vermehrte Einsatz von Zellulären Therapien besonders interessant, die sowohl bei der akuten GvHD als auch bei der chronischen GvHD in klinischen Studien getestet werden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über das aktuelle Standardmanagement der GvHD. Zusätzlich werden Neuerungen in der Entwicklung von Zelltherapien im Bereich der GvHD diskutiert.
Graft-versus-Host-Disease (GvHD) is a major complication after allogeneic hematopoietic stem cell transplantation. In recent years, new therapies have been approved, which is reflected in a changed treatment landscape. From a transfusion medicine perspective, the increased use of cellular therapies, which are being tested in clinical studies for both acute GvHD and chronic GvHD, is particularly interesting. This article provides an overview of the current standard management of the GvHD. In addition, innovations in the development of cell therapies in the field of GvHD are discussed.
Umgang bei der Versorgung von RhD-negativen Patienten mit RhD-positiven Erythrozytenkonzentraten
Zusammenfassung
Die Versorgung von RhD-negativen Patienten stellt eine zunehmende Herausforderung für nahezu alle transfundierenden Einrichtungen in Deutschland dar, verschärft durch den bundesweiten Rückgang der Spendezahlen um ca. 10 % gegenüber den Spendezahlen vor der Coronapandemie. In diesem Artikel wird sowohl auf die Risikoevaluierung einer Immunisierung gegen das RhD-Merkmal eingegangen, als auch auf die verschiedenen Versorgungsstrategien zum einen bei nicht vortypisierten Patienten in der Notfallversorgung, zum anderen bei RhD-negativen Patienten unter semielektivem oder chronischem Transfusionsbedarf. Ferner werden entsprechende Leitlinien in Bezug auf die Umstellungspraxis vorgestellt und verglichen.
The supply of RhD-negative patients with red blood cell units (RBCU) is an increasing challenge in almost all transfusion facilities in Germany, exacerbated by the nationwide decline in blood donations by approximately 10 % compared to pre-corona pandemic donation numbers. In this article we evaluate the risk of immunization against RhD and hemolytic disease of the newborn after supply with RhD-positive RBCU and the various strategies for patients with previously unknown blood group in emergency situations, as well as for RhD-negative patients in need for semi-elective or chronic transfusions. Furthermore, guidelines are presented and compared with regard to conversion practice.