Leserfrage: Jahresstatistik über den Verbrauch von Blutprodukten
Der Hämoglobinwert als Transfusionstrigger für Erythrozytenkonzentrate
Zusammenfassung
Für die transfusionsmedizinische Gemeinschaft bricht derzeit ein goldenes Zeitalter an, in dem sich Empfehlungen für Transfusionen mehr und mehr auf ein hohes Maß an Evidenz zurückführen lassen. Erstmalig gibt es für eine Vielzahl von Patientengruppen, von intensivmedizinisch behandelten Patienten über Patienten mit Gastrointestinalblutungen bis hin zu Patienten nach chirurgischen Eingriffen, gute Belege aus qualitativ hochwertigen randomisierten klinischen Studien (RKTs) für angemessene Grenzwerte bei der Transfusion von Erythrozytenkonzentraten. Auch wenn die Indikation für eine Transfusion nicht automatisch von einer Patientengruppe auf eine andere übertragbar ist, liefern die verfügbaren RKTs dennoch eine exzellente Grundlage für die Entscheidung, ob eine Transfusion notwendig ist oder nicht. Diese RKTs zeigen eindeutig, dass das Auftreten von Nebenwirkungen in transfundierten Patienten nichts mit der Anzahl an Erythrozytentransfusionen zu tun hat. Daher wird eine Transfusion von roten Zellen, insofern sie indiziert ist, eher einen positiven Effekt auf den Genesungsprozess haben, als dass sie für den Patienten schädlich ist.
The transfusion medicine community is experiencing a true golden age of high quality evidence on which to base our recommendations for transfusion thresholds. For the first time, we have evidence from well performed randomized controlled trials that elucidates the appropriate red blood cell transfusion thresholds in a variety of patient populations ranging from those in the intensive care unit, to patient with gastrointestinal bleeds, to those who are post-surgery. While care should be taken not to over generalize transfusion thresholds from one patient population to another, these RCTs provide an excellent starting point when deciding whether an RBC transfusion is necessary or not. These RCTs also indicate that the rates of adverse events after receiving an RBC transfusion really are independent of receiving a transfusion, that is, the rates of various adverse events following receipt of an RBC transfusion are not higher amongst those who received more transfusions compared to those who received fewer units. Thus if a transfusion is clinically indicated, it will likely be more beneficial than harmful.
Die Immuntherapie – der Leuchtturm in der Krebsbehandlung?
Zusammenfassung
Das Immunsystem ist in der Lage, Tumore zu erkennen und zu zerstören. Die Entdeckung und Entwicklung von Immun-Checkpoint-Inhibitoren wie z. B. PD-1 (programmed cell death protein 1) und CTLA-4 (cytotoxic T-lymphocyte antigen 4) haben in zahlreichen klinischen Studien das Behandlungsspektrum von Tumorerkrankungen erweitern und ihre Heilungsraten signifikant verbessern können, so z. B. beim Melanom, beim Lungenkarzinom, beim Nierenzellkarzinom und weiteren Tumorentitäten. CAR-T-Zellen, BiTE-Technologie und Impfstoffe haben sich zusätzlich zu erfolgreichen therapeutischen Akteuren im Kampf gegen hämatologische und solide Neoplasien entwickelt. Um das Ansprechen auf eine Immuntherapie besser zu verstehen, ist jedoch die Entwicklung von Biomarkern und erweiterten histopathologischen Klassifikationen dringend erforderlich. In diesem Artikel möchten wir eine Zusammenfassung der Entwicklung der Immuntherapie mit dem Fokus auf die Checkpoint-Blockade durch monoklonale Antikörper und Beispiele für die Entwicklung neuer Biomarker geben.
The Immune system can recognize and eliminate tumors. The discovery and development of immune checkpoint blocking antibodies such as those against PD-1 (programmed cell death protein 1) and CTLA-4 (cytotoxic T-lymphocyte antigen 4) have demonstrated significant promise in many clinical studies against tumors such as melanoma, lung cancer, renal cell carcinoma and many others tumor entities. In addition, CAR-T-cells, BiTE-Technology and vaccines become successful therapeutic agents for the fight against haematological and solid tumors. Biomarkers and extended pathological classifications are necessary to predict the response and clinical outcome due to these novel approaches. In this article, we review the development of immunotherapy in cancer medicine focusing on checkpoint blocking antibodies and biomarker development.
Das Blutdepot in der Einrichtung der Krankenversorgung
Zusammenfassung
Qualitätssicherung in einem Krankenhaus-Blutdepot ist ein umfassendes Vorhaben, das an qualifiziertes Personal, geeignete Ausstattung und gut strukturierte und kontrollierte Arbeitsprozesse geknüpft ist. Im Vordergrund stehen dabei der Erhalt der Arzneimittelqualität und der sachgerechte Umgang mit der wertvollen Ressource Blut.
Quality assurance in a hospital blood depot is a comprehensive project, which requires qualified personnel, adequate equipment and facilities and particularly well-structured and controlled work processes. The focus has to be set on the proper handling of blood components to guarantee the quality of this valuable resource.
Patient Blood Management
Zusammenfassung
Blutarmut (Anämie) ist ein unabhängiger Risikofaktor für erhöhte Komplikationsraten. Dabei können diagnostische Blutentnahmen für z. B. Blutgasanalysen, Gerinnungstests, Blutbilder, Messungen von Elektrolyt-Spiegeln, Blutzucker und Stoffwechselparametern ebenso wie immunhämatologische Untersuchungen, Kreuz- und Verträglichkeitsproben sowie die mikrobiologische und virologische Diagnostik eine Anämie verstärken bzw. hervorrufen (= iatrogene Anämie). Durch Prozessoptimierung einschließlich der Nutzung von Point-of-care Tests und innovativen Blutentnahmesystemen kann die Blutentnahmefrequenz und -menge deutlich reduziert werden. Damit werden patienteneigene Ressourcen geschont. Neben einem mutmaßlich günstigen Effekt auf das Patientenoutcome sind positive finanzielle und ökologische Nebeneffekte zu erwarten.
Anemia has been identified as an independent risk factor for increased morbidity and mortality. Laboratory blood sampling to monitor coagulation, organ function, and acid-base status, to screen for nosocomial infections or to type and screen for blood product compatibility may intensify or cause anemia (= iatrogenic anemia). The frequency and volume of blood collection can be significantly reduced through process optimization, including the use of point-of -care testing and innovative blood collection systems. This conserves patients' resources, which will presumably have a beneficial effect on patient outcome. Furthermore, positive financial and environmental side-effects are to be expected.
Immunhämatologische Besonderheiten bei Personen mit Migrationshintergrund
Zusammenfassung
Chronischer Transfusionsbedarf bei Hämoglobinopathien, vorbestehende Alloimmunisierungen und abweichendes Antigenmuster können die transfusionsmedizinische Versorgung von Zuwanderern erschweren. Syrer besitzen eine ähnliche Blutgruppenverteilung wie Deutsche, die seltenen Phänotypen KK, Yt(a–) und In(b–) sind vermutlich etwas häufiger. Personen aus Afrika südlich der Sahara besitzen häufiger Antigenmuster, die eine Immunisierung gegen gegen hochfrequente Rhesusantigene und Fy3 erlauben.
Hemoglobinopathies causing chronic transfusion support, prior alloimmunisation and differing antigen distribution may hamper transfusion support for immigrants. Syrians have a blood group antigen distribution similar to Germans, while the rare phenotypes KK, Yt(a–) and In(b–) are likely more frequent. Individuals from sub-Saharan Africa often possess an antigen pattern which allows immunization against high prevalence antigens of the Rh blood group or Fy3.
Rekombinante Blutgruppenproteine: Neue Möglichkeiten in der Antikörperdiagnostik
Zusammenfassung
Der Nachweis von erythrozytären Antikörpern ist zentraler Bestandteil der prätransfusionellen Diagnostik für eine adäquate Versorgung immunisierter Patienten mit passgenauen Blutprodukten. Mit der Einführung von rekombinanten Blutgruppenproteinen (rBGPs) in die Immunhämatologie ist es nun auch weniger spezialisierten Laboren möglich, schwierige Antikörper und komplexe Antikörpergemische zuverlässig und schnell zu identifizieren. Die rBGPs liegen in löslicher Form vor, sind lange stabil und lassen sich im Hämagglutinationshemmtest in allen bekannten serologischen Testsystemen einsetzen. Die derzeitig verfügbare Palette an rekombinanten Proteinen umfasst Substanzen, die im klinischen Alltag häufig vorkommende Alloantikörper mit hoher klinischer Relevanz neutralisieren (z. B. Kell- und Duffy-Antikörper), und solche, die seltene Antikörperspezifitäten mit unterschiedlicher klinischer Relevanz binden. Von besonderem Interesse sind rBGPs, die Antikörper gegen hochfrequente Antigene hemmen, da diese mit den herkömmlichen Techniken sonst nur von Referenzlaboren, die im Besitz seltener Blutproben sind, detektiert werden können. Sowohl der erhöhte diagnostische Aufwand mit komplexen Antikörpern als auch der Zeitverlust, der mit der Versendung von Patientenblutproben in Referenzlabore einhergeht, erschweren eine optimale Versorgung mit passendem Blut. Mit der Technologie der rekombinanten Proteine wird auf der diagnostischen Seite der Blutversorgung eine Schwachstelle geschlossen, was insbesondere die Versorgungsqualität und -sicherheit vielfach transfundierter Patienten verbessern dürfte.
Red cell antibody detection is crucial in pretransfusion testing for ensuring an adequate blood supply for immunized patients requiring allogeneic blood transfusions. The introduction of soluble recombinant blood group proteins (rBGPs) in immunohematology allows even less experienced laboratories to rapidly and reliably identify rare antibodies and complex antibody mixtures. The rBGPs are provided as soluble reagents, are very stable and can be used in the hemagglutination inhibition assay in all common serological test systems. The current portfolio of rBGPs consists of substances that reliably neutralize common red blood cell alloantibodies with high clinical significance (e. g. Kell and Duffy antibodies) as well as proteins that bind to rare red blood cell antibodies of different clinical significance. Of special interest are rBGPs that inhibit antibodies to high frequency antigens, as these types of antibodies can only be determined by traditional methods in reference laboratories having rare blood samples in stock. Both the increased work-load associated with complex antibodies and the time lost due to shipping of samples to reference laboratories, impede the optimal supply of compatible blood units. By eliminating a critical weakness of current procedures, the technology of rBGPs significantly improves safety and efficiency of pretransfusion diagnostics for immunized patients.
„BIOBANK der Blutspender“
Zusammenfassung
Nach einer fünfjährigen Projektphase beendete die BIOBANK des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes im September 2015 erfolgreich ihr Arbeitspaket innerhalb des Spitzenclusters m4, das mit über einer halben Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Das Ziel des Teilprojektes „Biobank der Blutspender“ – eine innovative Plattform für die Entwicklung neuer und früh einsetzbarer Diagnostika innerhalb des Spitzenclusters m4 war die Neukonzeption der bestehenden Infrastruktur, um unseren Kunden Biobankproben zur Verfügung zu stellen, die den Qualitätsstandards und Spezifikationen der Biomarkerforscher genügen. Mit Hilfe der Spitzenclusterförderung sollte ein indikationsselektiertes Biobank-Probenlager bei < −80 °C implementiert und eine größere Anzahl von Proben durch eine Aliquotierung in kleinere Volumina erzielt werden. Somit werden auch Qualitätsverluste durch mehrmalige Auftau-Einfrierzyklen vermieden. Um dieses Ziel zu erreichen wurden zunächst unter den über fünf Millionen Proben, die bei −40 °C im Tiefkühllager des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes lagern, die Proben ausgewählt, die für die Biomarkerforschung von besonderem Interesse sind. Die Selektionskriterien, die dabei angewendet wurden, basierten auf den Erfahrungen bisher durchgeführter Kundenprojekte. In erster Linie wurden Proben von Spendern, die an Krebs, Herzkreislauferkrankungen oder Diabetes erkrankten und Proben von Spendern, die einen Schlaganfall erlitten, identifiziert. Zusammen mit den passenden Kontrollproben gesunder Spender wurden mit Ende des Clusterprogramms 25 000 Proben in das neue −86 °C Lager transferiert, wo sie nun in mehreren kleineren Aliquoten lagern.
After a five years project phase the “Blood Donor BIOBANK” at the Bavarian Red Cross blood donation service successfully completed in September 2015 its work package within the cluster initiative m4 that was funded by the BMBF with over half a million euros. The goal of the project „Blood Donor BIOBANK” – an innovative platform for the development of new, early applicable diagnostics within the cluster m4 was to redesign the original set-up of the existing BIOBANK in order to provide our customers with biobank samples that fulfill the highest quality standards and specifications of the biomarker researcher. During the period of m4 cluster initiative the project focused on the implementation of a disease specific sample storage at < −80 °C and an increased sample number by pipetting more and smaller sample aliquots of selected samples in order to avoid repeated freezing thawing processes. Therefore we selected from over five million samples stored at −40 °C in the storage facility at the Bavarian Red Cross Blood Donation Service samples of interest. The selection criteria that were applied were based on the experiences from former customers. Mainly samples from donors who developed cancer, heart disease, stroke or diabetes were identified. Together with the matching control samples from healthy donors we had 25 000 samples transferred into the new biobank storage facility by the end of the cluster program where they are stored in smaller sample volumes and at −86 °C.
Plättchenlysat (PL) aus Thrombozytenkonzentraten als pharmazeutischer Hilfsstoff im Sinne einer optimierten Verwendung von Blutprodukten
Zusammenfassung
Mit zunehmendem Einsatz der Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP, advanced therapy medicinal product) und innovatver Zelltherapeutika, wächst der Bedarf an xenogenfreien Kulturmedien. Quarantänefreies Plättchenlysat (PL), das aus Thrombozytenkonzentraten 0 bis 3 Tage nach deren Laufzeit hergestellt wird, bietet eine sehr gute und in doppeltem Sinne „humane“ Alternative zum (fetalen) Kälberserum (FBS bzw. BS). Wir beschreiben hier die Herstellung und weitere mögliche Einsatzgebiete des PL.
Emerging production of advanced therapy medicinal product (ATMP) and innovative cellular therapeutics goes along with higher and urgent need for xengen-free culturing media. Quarantine free platelet lysate (PL) derived from expired thrombocyte concentrates provides a very good and human(e) alternative to (fetal) bovine serum (FBS or BS, respectively). We describe the production and further possible applications of PL.