Blutspende als biologischer Stresstest: Was regelmäßiges Spenden mit hämatopoetischen Stammzellen macht
Zusammenfassung
Regelmäßiges Blutspenden stellt einen wiederkehrenden physiologischen Stress für das hämatopoetische System dar, der eine erhöhte, Erythropoietin (EPO) vermittelte Erythropoiese bewirkt. Im Gegensatz zu pathologischen Auslösern handelt es sich dabei um einen kontrollierbaren und gut quantifizierbaren Reiz. Ziel unserer Studie war es zu untersuchen, wie sich dieser Reiz auf die klonale Zusammensetzung des humanen hämatopoetischen Stammzellpools auswirkt, insbesondere auf Prävalenz und Art der klonalen Hämatopoiese (KH). In einer Kohorte von über 400 männlichen Spendern über 60 Jahren – darunter Vielspender mit mehr als 100 Spenden – zeigte sich keine erhöhte Gesamtprävalenz von KH. Allerdings fanden sich bei Vielspendern vermehrt spezifische DNMT3A-Varianten. Diese unterschieden sich funktionell von präleukämischen Mutationen und reagierten selektiv auf erythropoetische Stimuli, insbesondere Erythropoietin. Die Daten legen nahe, dass regelmäßiges, jahrzehntelanges Blutspenden keine generelle Zunahme klonaler Veränderungen bewirkt, sondern eine adaptive Selektion funktionell angepasster Stammzellklone fördern kann.
Regular blood donation represents a recurrent physiological stress to the hematopoietic system, leading to increased erythropoietin-driven erythropoiesis. In contrast to pathological triggers, this constitutes a controlled and well-quantifiable stimulus. The aim of our study was to investigate how this stimulus affects the clonal composition of the human hematopoietic stem cell pool, particularly with regard to the prevalence and characteristics of clonal hematopoiesis (CH). In a cohort of over 400 male donors above 60 years of age, including frequent donors with more than 100 lifetime donations, no increase in overall CH prevalence was observed. However, frequent donors showed an enrichment of specific DNMT3A variants. These differed functionally from preleukemic mutations and responded selectively to erythropoietic stimuli, particularly erythropoietin. These data suggest that long-term, regular blood donation does not lead to a general increase in clonal alterations but may promote adaptive selection of functionally distinct stem cell clones.